Gino F. unter Druck

„Ich habe seine Stimme erkannt“: Kleine Tochter des Mordopfers Nina H. belastet Gino F.

Aktualisiert am 13. April 2026 | Gerichtsmeldung aus Augsburg

AUGSBURG – Im Prozess um den gewaltsamen Tod der dreifachen Mutter Nina H. sorgte am heutigen Montag die Videovernehmung der kleinen Tochter für erschütternde Momente im Gerichtssaal. Die Sechsjährige identifizierte den Angeklagten Gino F. zweifelsfrei durch seine Stimme – eine Aussage, die den mutmaßlichen Schützen nun schwer belastet.
Der Mordfall aus dem Mai 2025 gilt als einer der grausamsten Verbrechen der jüngeren Stadtgeschichte Augsburgs. Die 30-jährige Nina H. war in ihrer Wohnung in Haunstetten mit vier gezielten Kopfschüssen getötet worden. Während der Angeklagte Gino F. (29) weiterhin beharrlich schweigt, lieferte die Aufzeichnung der kindlichen Zeugenaussage nun ein zentrales Puzzlestück für die Rekonstruktion der Tatnacht.

„Ich habe seine Stimme erkannt“

Da eine Live-Aussage für das Kind eine unzumutbare Belastung darstellte, wurde am heutigen Verhandlungstag eine polizeiliche Videovernehmung abgespielt. Darin schildert das Mädchen, wie es in der Tatnacht durch einen Streit im Flur wach wurde. Die damals Fünfjährige gab zu Protokoll, gehört zu haben, wie ihre Mutter jemanden im Korridor ansprach.

„Ich habe seine Stimme erkannt. Es war die von Gino“, erklärte das Kind den Ermittlern in der Aufzeichnung.

Das Mädchen kannte den Angeklagten gut; er galt als enger Vertrauter des Ex-Lebensgefährten der Mutter und war regelmäßig in der Wohnung zu Gast. Kurz nach dem Wortwechsel habe es laut „geknallt“. Das Kind blieb zunächst verängstigt in seinem Zimmer, bevor es später die tote Mutter auffand.

Die Theorie des Auftragsmordes

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gino F. nicht aus eigenem Antrieb handelte. Er soll als „Vollstrecker“ für Christian S., den Ex-Partner des Opfers, fungiert haben. Hintergrund war offenbar eine Racheaktion für die Trennung der 30-Jährigen von ihrem Lebensgefährten.

Technische Auswertungen stützen diese Theorie: Allein in der Tatwoche wurden rund 80 Telefonate zwischen dem Angeklagten und dem Ex-Partner registriert. Die Ermittler sind überzeugt, dass sich Gino F. mit einem Nachschlüssel Zugang zur Wohnung verschafft hatte, während die Kinder schliefen.

Reglosigkeit auf der Anklagebank

Gino F. verfolgte die belastende Aussage des Mädchens ohne jede Regung. Seit dem Prozessauftakt im Februar lässt er die Vorwürfe unkommentiert. Seine Verteidigung versucht indes, die Glaubwürdigkeit der kindlichen Wahrnehmung in einer Schocksituation in Frage zu stellen.

Für die Angehörigen von Nina H. war der heutige Tag eine Zerreißprobe. Das Gericht hat weitere Termine angesetzt, um psychologische Gutachter zu hören. Ein Urteil im Mordprozess gegen Gino F. wird für Mitte Juni 2026 erwartet.