Risikofaktor: Taxi

taxis und ihre gefährlichen manöver

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Wenn das Taxi zum Sicherheitsrisiko wird: Warum Verkehrsverstöße bei Taxifahrern besonders problematisch sind

Handy am Steuer, überhöhte Geschwindigkeit, riskante Fahrmanöver und die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer: Immer wieder berichten Fahrgäste und andere Verkehrsteilnehmer von problematischem Verhalten einzelner Taxifahrer. Doch warum kommt es dazu – und welche Konsequenzen können solche Verstöße haben?

Taxifahrer tragen im Straßenverkehr eine besondere Verantwortung. Sie transportieren nicht nur sich selbst, sondern täglich zahlreiche Menschen. Gleichzeitig verbringen sie wesentlich mehr Zeit auf der Straße als die meisten privaten Autofahrer. Die Berufsgenossenschaft Verkehr beschreibt den Taxiberuf entsprechend als Tätigkeit mit hohen Anforderungen: Taxifahrer legen jährlich tausende Kilometer zurück, befördern zahlreiche Fahrgäste und müssen sich gleichzeitig mit Verkehr, Routen, Fahrgästen und wechselnden Arbeitszeiten auseinandersetzen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Taxifahrer grundsätzlich schlechter oder rücksichtsloser fahren als andere Autofahrer. Eine repräsentative bundesweite Statistik, die speziell Taxi- und Privatfahrer hinsichtlich ihrer Verkehrsverstöße miteinander vergleicht, liegt nicht vor. Auffälliges Verhalten einzelner Fahrer darf deshalb nicht auf den gesamten Berufsstand übertragen werden.

Dennoch gibt es nachvollziehbare Gründe, warum Verstöße bei gewerblichen Fahrern besonders relevant sind.

Vier Problemfelder stehen besonders im Mittelpunkt

In der öffentlichen Wahrnehmung fallen bei Taxis insbesondere vier Verhaltensweisen auf:

1. Nutzung des Handys während der Fahrt

2. Geschwindigkeitsüberschreitungen beziehungsweise nicht angepasste Geschwindigkeit

3. Unsichere oder hektische Fahrweise

4. Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer

Alle vier Bereiche können unmittelbar die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.


Handy am Steuer: Ein kurzer Blick kann ausreichen

Das Smartphone ist aus dem modernen Taxigewerbe kaum wegzudenken. Navigation, Vermittlung von Fahrten und Kommunikation mit Fahrgästen oder Vermittlungszentralen laufen häufig über digitale Systeme.

Genau darin liegt jedoch ein Risiko.

Wer während der Fahrt auf ein Smartphone schaut, Nachrichten liest, Eingaben macht oder das Gerät in der Hand bedient, richtet seine Aufmerksamkeit zumindest teilweise vom Verkehrsgeschehen weg.

Für Berufskraftfahrer ist das besonders problematisch. Sie müssen nicht nur Verkehrszeichen und andere Fahrzeuge beobachten, sondern häufig gleichzeitig eine Route finden, einen Fahrgast aufnehmen oder einen neuen Auftrag berücksichtigen.

Die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt ist in Deutschland durch § 23 Abs. 1a StVO ausdrücklich eingeschränkt. Ein Mobiltelefon darf grundsätzlich nicht aufgenommen oder gehalten werden; die zulässige Nutzung ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

Ein Taxi ist dabei kein Sonderfall. Auch für einen Taxifahrer gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung.


Geschwindigkeit: Wirtschaftlicher Druck darf keine Ausrede sein

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass manche Taxis insbesondere innerorts zu schnell unterwegs seien.

Ob eine konkrete Fahrt tatsächlich eine Geschwindigkeitsüberschreitung darstellt, lässt sich selbstverständlich nur anhand der jeweiligen Situation feststellen. Auffällig ist aber, dass nicht angepasste Geschwindigkeit zu den häufigsten von der Polizei registrierten Fehlverhaltensursachen bei Unfällen mit Personenschaden gehört.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2024 bei Unfällen mit Personenschaden 39.583 Fälle von nicht angepasster Geschwindigkeit als Fehlverhalten von Fahrzeugführern registriert. Noch häufiger waren ungenügender Abstand, das Nichtbeachten der Vorfahrt sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren.

Dabei bedeutet „zu schnell“ nicht zwingend, dass das ausgeschilderte Tempolimit überschritten wurde.

Auch bei erlaubten 50 km/h kann ein Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen zu schnell sein – etwa bei schlechter Sicht, glatter Fahrbahn, starkem Regen oder einer unübersichtlichen Verkehrssituation.

Gerade in Städten treffen Taxis auf besonders viele gefährdete Verkehrsteilnehmer: Fußgänger, Radfahrer, Kinder und ältere Menschen.


Hektische Fahrweise: Wenn Routine zur Selbstüberschätzung führt

Taxifahrer kennen ihre Stadt häufig sehr gut. Sie wissen, welche Straßen zu bestimmten Zeiten verstopft sind, wo sich Abkürzungen befinden und wo Fahrgäste üblicherweise ein- und aussteigen.

Routine ist grundsätzlich positiv.

Sie kann allerdings auch zu einer trügerischen Sicherheit führen.

Die BG Verkehr weist selbst darauf hin, dass die tägliche Tätigkeit im Straßenverkehr erhebliche Risiken mit sich bringt. Jede Entscheidung eines Taxifahrers habe unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit der Fahrgäste, anderer Verkehrsteilnehmer und des Fahrers selbst.

Problematisch wird es beispielsweise, wenn Routine zu folgenden Verhaltensweisen führt:

  • hektische Spurwechsel
  • zu dichtes Auffahren
  • spätes und starkes Bremsen
  • riskantes Überholen
  • fehlendes oder verspätetes Blinken
  • plötzliches Ausscheren
  • Rückwärtsfahren ohne ausreichende Übersicht
  • Wenden an ungeeigneten Stellen
  • Einfahren in eine nicht freie Kreuzung
  • zu geringer Abstand zu Radfahrern
  • aggressives Beschleunigen
  • Missachtung von Vorfahrtsregeln

Nicht jede dieser Verhaltensweisen ist automatisch ein schwerer Verkehrsverstoß. In ihrer Kombination können sie jedoch eine erhebliche Gefahr darstellen.


Besonders gefährdet: Radfahrer und Fußgänger

Ein Taxi wiegt mehr als eine Tonne. Ein Radfahrer oder Fußgänger hat bei einer Kollision praktisch keinen vergleichbaren Schutz.

Das Kräfteverhältnis ist deshalb eindeutig.

Für Fußgänger und Radfahrer können bereits vermeintlich kleine Fehler eines Autofahrers gravierende Folgen haben.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen die Dimension des Problems für den Straßenverkehr insgesamt: 2024 wurden bei Unfällen mit Personenschaden unter anderem 14.360 Fälle falschen Verhaltens gegenüber Fußgängern registriert. Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren wurden in 52.530 Fällen erfasst.

Diese Zahlen beziehen sich ausdrücklich auf den gesamten Straßenverkehr und nicht speziell auf Taxis.

Sie machen aber deutlich, warum gerade innerstädtische Fahrmanöver besondere Aufmerksamkeit erfordern.


Warum der Beruf selbst ein Risikofaktor sein kann

Ein entscheidender Punkt ist die Arbeitsbelastung.

Taxifahrer sitzen nicht lediglich gelegentlich hinter dem Steuer. Das Fahrzeug ist ihr Arbeitsplatz.

Die BG Verkehr nennt für den Beruf ausdrücklich unregelmäßige Arbeitszeiten, Schicht- und Nachtarbeit, langes Sitzen und Stress als Belastungsfaktoren.

Hinzu kommt die notwendige Konzentration über viele Stunden.

Die BG Verkehr warnt ausdrücklich davor, dass nachlassende Aufmerksamkeit und Sekundenschlaf bei langen Fahrten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellen. Lange und unregelmäßige Arbeitszeiten sowie wenig Schlaf können das Konzentrationsvermögen beeinträchtigen.

Das ist ein wichtiger Aspekt.

Denn ein Fahrer, der müde ist, unter Zeitdruck steht und gleichzeitig navigieren und kommunizieren muss, befindet sich in einer deutlich anspruchsvolleren Situation als ein Autofahrer, der lediglich eine kurze private Fahrt absolviert.

Das erklärt mögliche Risiken – es entschuldigt aber keinen Verkehrsverstoß.


Wenn der Fahrgast zum unfreiwilligen Mitfahrer eines Risikos wird

Für Fahrgäste ist die Situation besonders schwierig.

Wer in ein Taxi steigt, übergibt die Kontrolle über die Fahrt vollständig an den Fahrer.

Der Fahrgast kann weder bremsen noch ausweichen. Er kann lediglich darauf vertrauen, dass der Fahrer das Fahrzeug sicher führt.

Das gilt insbesondere für:

  • ältere Menschen
  • Kinder
  • Menschen mit Behinderungen
  • Personen mit eingeschränkter Mobilität
  • Fahrgäste nach medizinischen Behandlungen
  • Menschen, die sich nachts auf dem Heimweg befinden

Die BG Verkehr bezeichnet Verkehrsunfälle im Taxigewerbe als Hauptursache für Arbeitsunfälle.

Das zeigt: Verkehrssicherheit ist im Taxi nicht nur eine Frage des Komforts.

Sie ist eine Frage des Arbeits- und Gesundheitsschutzes – und letztlich der körperlichen Unversehrtheit von Fahrern und Fahrgästen.


Welche Verstöße können vorkommen?

Eine pauschale Behauptung über Taxifahrer wäre unseriös. Die folgenden Verstöße beziehungsweise problematischen Verhaltensweisen sind jedoch im Straßenverkehr grundsätzlich bekannt und können auch bei Taxi- und Mietwagenfahrern auftreten:

Verkehrsverstöße

  • Handy während der Fahrt benutzen
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten
  • nicht angepasste Geschwindigkeit
  • zu geringer Sicherheitsabstand
  • Vorfahrtsregeln missachten
  • rote Ampeln missachten
  • riskantes Überholen
  • Fehler beim Abbiegen
  • Fehler beim Wenden
  • unsicheres Rückwärtsfahren
  • fehlendes oder falsches Blinken
  • Radfahrer mit zu geringem Abstand überholen
  • Geh- oder Radwege unzulässig benutzen oder blockieren
  • unzulässiges Halten oder Parken
  • Kreuzungen trotz fehlender Ausfahrtmöglichkeit blockieren

Gefährliches Fahrverhalten

Darüber hinaus gibt es Verhaltensweisen, die nicht immer isoliert einen bestimmten Tatbestand darstellen, aber gefährlich werden können:

  • aggressives Beschleunigen
  • abruptes Abbremsen
  • dichtes Auffahren
  • hektische Spurwechsel
  • riskantes Einscheren
  • Fahren ohne ausreichende Rücksicht auf Fußgänger
  • riskantes Verhalten gegenüber Radfahrern
  • Fahren bei Übermüdung
  • Ablenkung durch Smartphone oder Navigationssystem

Was passiert, wenn andere gefährdet werden?

Die Konsequenzen hängen stark vom konkreten Verstoß ab.

Eine geringfügige Geschwindigkeitsüberschreitung ist grundsätzlich etwas anderes als eine Situation, in der ein Fahrer mit hoher Geschwindigkeit eine rote Ampel überfährt und dabei einen Fußgänger beinahe erfasst.

Im schwereren Fall kann aus einer Ordnungswidrigkeit eine Straftat werden.

§ 315c StGB stellt unter bestimmten Voraussetzungen die Gefährdung des Straßenverkehrs unter Strafe. Entscheidend sind unter anderem ein grob verkehrswidriges und rücksichtsloses Verhalten sowie eine konkrete Gefährdung von Menschen oder bestimmten Sachwerten.

Mögliche Konsequenzen können – abhängig vom Einzelfall – sein:

  • Verwarn- oder Bußgeld
  • Punkte im Fahreignungsregister
  • Fahrverbot
  • strafrechtliches Ermittlungsverfahren
  • Geldstrafe
  • Entziehung der Fahrerlaubnis
  • Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen
  • bei schweren Fällen weitere strafrechtliche Folgen

Für einen Taxifahrer kann der Entzug der Fahrerlaubnis besonders gravierend sein.

Denn der Führerschein ist in diesem Beruf nicht nur Voraussetzung für die private Mobilität, sondern unmittelbar Teil der beruflichen Existenz.


Das Problem darf nicht pauschalisiert werden

Bei aller berechtigten Kritik muss ein Punkt klar bleiben:

Nicht jeder Taxifahrer fährt riskant.

Im Gegenteil: Die meisten professionellen Fahrer bringen ihre Fahrgäste täglich sicher ans Ziel, ohne dass darüber berichtet wird.

Das Problem ist vielmehr die besondere Aufmerksamkeit, die ein einzelner riskant fahrender Taxifahrer erzeugen kann.

Ein Taxi ist gut sichtbar. Es wird als professioneller Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. Deshalb bleibt ein auffälliges Fahrmanöver häufig stärker im Gedächtnis als das völlig unauffällige und sichere Fahren.

Auch die verfügbaren Unfallstatistiken erlauben keine Aussage wie „Taxifahrer verursachen besonders viele Unfälle“. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes beziehen sich auf Fahrzeugführer insgesamt.

Eine seriöse Berichterstattung muss diese Einschränkung berücksichtigen.


Mehr Kontrolle oder bessere Arbeitsbedingungen?

Die Diskussion über Verkehrsverstöße bei Taxis führt deshalb zu einer grundsätzlichen Frage.

Reicht es aus, Fahrer nach Verstößen zu bestrafen?

Oder muss bereits vorher angesetzt werden?

Die BG Verkehr setzt beispielsweise auf Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, sichere Fahrzeuge und eine strukturierte Organisation des Arbeitsschutzes.

Auch Pausen und ausreichende Erholung spielen eine Rolle.

Gleichzeitig müssen Verkehrsverstöße konsequent geahndet werden, wenn sie festgestellt werden.

Denn wirtschaftlicher Druck, Zeitdruck oder ein hoher Fahrgastumsatz können niemals eine Rechtfertigung dafür sein, andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.


Fazit: Berufskraftfahrer tragen besondere Verantwortung

Taxis gehören zum Alltag deutscher Städte. Sie bringen Menschen nach Hause, zum Bahnhof, zum Arzt oder zum Flughafen. Gerade deshalb müssen Fahrgäste darauf vertrauen können, dass sie sicher transportiert werden.

Handynutzung am Steuer, überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit, riskante Fahrmanöver und die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sind keine Kavaliersdelikte.

Gleichzeitig wäre es falsch, aus einzelnen Beobachtungen einen Generalverdacht gegen den gesamten Taxiberuf zu machen.

Die eigentliche Herausforderung liegt darin, professionelles Fahren auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen sicherzustellen.

Denn ein Taxifahrer trägt Verantwortung für mehr als nur sein eigenes Leben.

Auf dem Rücksitz sitzt ein Mensch, der ihm sein Vertrauen schenkt.

Und dieses Vertrauen endet nicht an der nächsten roten Ampel.

Quellen

  • BG Verkehr – Taxi: Anforderungen, Verkehrssicherheit und Arbeitsschutz im Taxigewerbe.
  • BG Verkehr – Gesundheit: Belastungen durch unregelmäßige Arbeitszeiten, Schicht- und Nachtarbeit.
  • BG Verkehr – Erholung und Pause: Auswirkungen von Müdigkeit und nachlassender Aufmerksamkeit auf die Verkehrssicherheit.
  • BG Verkehr – Sicheres Fahren: Risiken und Verantwortung von Taxifahrern im Straßenverkehr.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Fehlverhalten von Fahrzeugführern bei Unfällen mit Personenschaden, Daten für 2024.