Ein Artikel der FPA SWN n.e.V. über den Mord an eine dreifache Mutter aus Haunstetten
Schatten über Haunstetten: Das Protokoll einer angekündigten Tragödie

In dem beschaulichen Stadtteil Haunstetten-Siebenbrunn endete das Leben der dreifachen Mutter N. H. unter grausamen Umständen. Was sich im Gerichtssaal als Rekonstruktion der Tat und der vorangegangenen Monate entfaltete, zeichnet das Bild einer Frau, die systematisch isoliert, überwacht und schließlich in ihrem eigenen Zuhause getötet wurde. Es ist die Geschichte einer toxischen Beziehung, die in einem konspirativen Komplott mündete.
Die Beziehung zwischen N. H. und ihrem Ex-Partner C. S. war nach Aussagen enger Freunde von extremer psychischer Belastung geprägt. C. S. habe die junge Mutter massiv unter Druck gesetzt, sie beleidigt und ihre sozialen Kontakte kontrolliert. Die Freundinnen B. M. und K. K. berichteten, dass N. H. in ständiger Angst lebte und „springen musste“, wenn er es verlangte. Um sich vor der totalen Kontrolle zu schützen, nutzten die Frauen sogar Codenamen. Selbst die Kinder blieben von dem Klima der Unterdrückung nicht verschont; insbesondere die Tochter F. sei von C. S. herabwürdigend behandelt worden. N. H. schien ihr Schicksal beinahe vorausgeahnt zu haben, als sie gegenüber einer Vertrauten bemerkte, man wisse ja, wer es gewesen sei, sollte sie einmal tot in der Wohnung liegen.
Nach der Trennung intensivierte sich die Überwachung. C. S. soll Zeugen zufolge Personen beauftragt haben, seine Ex-Partnerin auszuspionieren. Besonders G. F., ein langjähriger Weggefährte von C. S., rückte dabei in den Fokus. Im Umfeld wurde G. F. als der „Schatten“ oder „Handlanger“ beschrieben, der Befehle ohne Hinterfragen ausführte. Ermittlungen ergaben, dass die Tat akribisch vorbereitet worden war. Der Zeuge G. B. räumte ein, mit G. F. zum Haus des Opfers gefahren zu sein, um die Lage zu sondieren. Ein Nachbar beobachtete am Tattag einen Mann mit Mütze und Sonnenbrille, der trotz einer Hitze von 30 Grad stundenlang auf einer Parkbank vor dem Haus verharrte – eine Beschreibung, die später G. F. zugeordnet wurde. Zudem war die Wohnungstür bereits Tage zuvor von C. S. beschädigt worden, was dem Täter den gewaltsamen Zutritt erheblich erleichterte.
Am Tag des Mordes wurde die Tochter F. durch einen lauten Knall aus dem Schlaf gerissen. Sie fand ihre Mutter leblos vor und gab in einer bewegenden Aussage an, G. F. am Tatort erkannt zu haben. Die Ermittlungen führten zudem auf die Spur der Tatwaffe, die laut Aussagen von P. L. über Mittelsmänner aus Nordrhein-Westfalen beschafft und schließlich an G. F. übergeben worden sein soll.

Die Festnahme von G. F. erfolgte kurz darauf durch ein Spezialeinsatzkommando. Bei seiner Ergreifung trug er noch dieselbe Kleidung wie am Tattag: kurze Hosen und Badeschlappen.In den Vernehmungen gab er sich emotional betroffen und behauptete, die Kinder des Opfers wie Geschwister zu lieben. Doch dieses Bild des mitfühlenden Freundes zerfiel vor Gericht schnell. Digitale Beweismittel und Bewegungsdaten widerlegten die Alibis der Entlastungszeugen. So musste G. B. seine Aussage revidieren, als ihn die GPS-Daten seines eigenen Fahrzeugs der Lüge überführten. Auch der Zeuge P. L. verlor seine Glaubwürdigkeit, als eine Audioaufnahme abgespielt wurde, in der er 50.000 Euro Schweigegeld forderte, um die Familie S. nicht zu belasten.
Zurück bleiben drei traumatisierte Kinder, die heute Unbehagen zeigen, wenn sie Kontakt zu ihrem Vater haben sollen. Während die Ermittlungen die Verstrickungen zwischen C. S. als mutmaßlichem Drahtzieher und G. F. als Ausführendem weiter beleuchten, bleibt das Urteil über eine Tat, die durch digitale Spuren und mutige Zeugenaussagen Schritt für Schritt entlarvt wurde.
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