Putin: Sie werden mich hängen

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Putin fürchtet offenbar persönliche Konsequenzen bei einem Scheitern in der Ukraine

Moskau. Der russische Präsident Wladimir Putin soll nach einer aktuellen Recherche des britischen Wirtschaftsmagazins The Economist befürchten, dass ein Scheitern seiner Kriegsziele in der Ukraine nicht nur das Ende seiner politischen Macht, sondern auch eine unmittelbare Gefahr für sein eigenes Leben bedeuten könnte.

Dem Bericht zufolge soll Putin im Kreis von Vertrauten sinngemäß geäußert haben: „Sie werden mich hängen.“ Gemeint sei ein Szenario, in dem Russland den Krieg beendet, ohne zumindest die vollständige Kontrolle über den Donbas zu erreichen. Die Aussage wird von The Economist über Quellen aus dem Umfeld der russischen Führung beziehungsweise der russischen Elite wiedergegeben. Eine unabhängige Bestätigung der Äußerung liegt nicht vor. (UA.NEWS)

Angst vor einem Machtverlust

Nach der Analyse geht es für Putin offenbar um mehr als die Frage eines militärischen Sieges. Ein Rückzug ohne ein für ihn akzeptables Ergebnis könnte innerhalb der russischen Machtelite als persönliches Scheitern gewertet werden. Das russische politische System sei zwar ausgesprochen repressiv und gewaltbereit, reagiere nach Einschätzung der zitierten Quellen jedoch besonders empfindlich auf wahrgenommene Schwäche und Misserfolge. (UA.NEWS)

Dabei wird zugleich betont, dass Putin keineswegs unmittelbar vor einem Machtverlust steht. Der Kreml verfügt weiterhin über erhebliche finanzielle, politische und sicherheitspolitische Ressourcen. Die entscheidende Frage sei vielmehr, wie der Präsident selbst die Konsequenzen eines möglichen Kriegsendes bewertet. (UA.NEWS)

Eskalation statt Rückzug?

Gerade diese persönliche Perspektive könnte nach Einschätzung des Economist erklären, weshalb eine weitere Eskalation für Putin attraktiver erscheinen könnte als ein Eingeständnis des Scheiterns.

Berichten zufolge erwägt Russland demnach, seine militärischen Anstrengungen weiter zu verstärken. Russische Quellen, auf die sich The Economist beruft, sprechen von möglichen 300.000 bis 400.000 weiteren Soldaten, die für den Krieg gewonnen werden könnten. Dabei müsse es nicht zwangsläufig zu einer neuen landesweiten Mobilmachung kommen; auch eine verstärkte Rekrutierung über die Regionen sei denkbar. (UA.NEWS)

Parallel dazu wird eine weitere Intensivierung russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur erwartet. Das russische Verteidigungsministerium hatte am 30. August entsprechende Vorbereitungen angekündigt. Gleichzeitig dauern die russischen Drohnenangriffe auf Kiew und andere ukrainische Regionen an. Reuters berichtete am Montag von einer inzwischen fünftägigen Angriffswelle und rund 1.500 eingesetzten Drohnen innerhalb von vier Tagen nach ukrainischen Angaben. (Reuters)

Auch innerhalb Russlands wächst der Druck

Der Economist-Bericht beschreibt zudem eine zunehmende Ernüchterung innerhalb der russischen Elite. Nach fast fünf Jahren Krieg würden sich demnach Fragen nach den tatsächlichen Ergebnissen und den Kosten des Konflikts verschärfen.

Für Putin könnte damit ein Dilemma entstehen: Ein Weiterführen des Krieges bindet immer mehr Ressourcen und Menschen, ein Ende ohne sichtbaren Erfolg könnte dagegen seine Stellung innerhalb des Machtapparats gefährden.

Der Bericht deutet deshalb darauf hin, dass Putins persönliche Wahrnehmung von Niederlage und Schwäche ein wichtiger Faktor für die weitere russische Strategie sein könnte. (UA.NEWS)

Gleichzeitig wächst die Gefahr einer weiteren Eskalation

Westliche Sicherheitskreise beobachten insbesondere die Möglichkeit einer Ausweitung russischer hybrider Aktivitäten gegen europäische Staaten. Dazu gehören Sabotage, Cyberangriffe und möglicherweise Angriffe auf Einrichtungen, die für die Unterstützung der Ukraine relevant sind. Der Economist verweist in diesem Zusammenhang auf entsprechende Befürchtungen westlicher Nachrichtendienste. (UA.NEWS)

Die aktuelle Entwicklung fällt zudem in eine Phase, in der der Krieg weiterhin erhebliche Auswirkungen auf Russland selbst hat. Ukrainische Drohnenangriffe treffen zunehmend russische Energie- und Industrieanlagen. Reuters berichtete zuletzt, dass die russische Benzinproduktion Ende August infolge der Angriffe nur noch rund 70 Prozent des heimischen Bedarfs decken konnte. (Reuters)

Einordnung

Die Aussage, Putin „fürchte um sein Leben“, sollte daher nicht als bestätigte Tatsache dargestellt werden. Sie basiert auf einer aktuellen Recherche des Economist und Aussagen nicht namentlich genannter Quellen. Ob Putin tatsächlich eine konkrete persönliche Bedrohung fürchtet oder die zitierte Äußerung in diesem Zusammenhang gefallen ist, lässt sich unabhängig nicht überprüfen.

Politisch bemerkenswert ist der Bericht dennoch: Sollte Putins persönliche Macht- und Sicherheitskalkulation tatsächlich eng mit dem Ausgang des Ukraine-Krieges verbunden sein, könnte ein für ihn akzeptables Kriegsende wesentlich schwieriger werden. Ein möglicher Ausweg aus dem Konflikt würde dann nicht nur militärische und territoriale Fragen betreffen, sondern auch die Frage nach der Zukunft des russischen Machtapparats.

Quellen: