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Kreml räumt ein: Propaganda verliert an Reichweite – vor allem im Ausland
Putins Sprecher Dmitri Peskow hat auf einer medienpolitischen Konferenz an der Moskauer Hochschule für Wirtschaft eingeräumt, dass Russland „rapide die Instrumente“ verliert, die es für effektive Propagandaarbeit im Ausland – insbesondere in den Nachbarstaaten – benötigt. Als Hauptgrund nannte er die „feindseligen“ sozialen Netzwerke. Die Frage, wie die russische „Botschaft“ künftig noch transportiert werden könne, sei noch ungeklärt.
Peskow übte zugleich ungewöhnlich offene Kritik an den russischen privaten Medien: Diese befänden sich im Niedergang, Journalisten würden schlecht bezahlt und unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Er verteidigte ausdrücklich Selbstzensur und erzwungene Zensur in den Medien mit den Worten: „Das ist unerlässlich; wir befinden uns im Kriegszustand.“
Die Aussagen lösten in Russland eine breite, teils sehr scharfe Debatte aus. Kreml-kritische Stimmen sehen das Kernproblem nicht in den Plattformen, sondern in den Inhalten selbst:
- Politologe Andrei Kalitin spottete, Russland habe alle Chancen gehabt, attraktiv zu wirken – stattdessen habe man durch Krieg, Repression und Unterdrückung jegliche Sympathie verspielt. Es gebe keine positive Zukunftsvision, nur Zensur und Verbot.
- Publizist Maxim Scharow kritisierte den Versuch, mit plumpen Staatsmedien gegen globale Plattformen wie X oder Telegram anzukämpfen – selbst der Iran nutze diese Dienste offener.
- Sergei Koljasnikow meinte ironisch: Ohne ein eigenes überzeugendes „bestes Netzwerk der Welt“ bleibe nur, mit den „feindlichen“ zu arbeiten – oder sich komplett abzukapseln.
- Propagandist Sergei Mardan warnte, Peskow habe mit seiner Klage das Misstrauen in Zentralasien sogar noch verstärkt.
- Anatoli Scharij verspottete die Lage mit einem absurden Vergleich: Man zerstöre absichtlich alles Gute und erzähle dann, dass das Schlechte (Brennnesselbrot statt Weizenbrot) genauso gut sei.
Leserkommentare auf Plattformen wie „Fontanka“ bringen die Stimmung vieler auf den Punkt: Die Kernbotschaft des Kremls sei letztlich „Der Boss hat immer recht, wir wollen ewig herrschen“ – und genau diese Botschaft lasse sich international und zunehmend auch innenpolitisch immer schlechter verkaufen.
Kurz gesagt: Der Kreml entdeckt, dass harte Repression und Krieg die Attraktivität seiner Narrative massiv zerstören – und sucht nun händeringend nach neuen Wegen, die verlorenen „Instrumente“ der Beeinflussung wiederzuerlangen.
Zitatquelle: BR24 • Kreml fürchtet um Propaganda
