Magdeburg: Ein Jahr danach

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Ein Jahr nach dem Grauen: Magdeburg gedenkt der Opfer

Am 20. Dezember 2024 raste ein 51-jähriger Arzt mit einem SUV in die Menschenmenge auf dem Alten Markt. Sechs Menschen verloren ihr Leben, darunter der neunjährige André; über 300 Personen wurden teils schwer verletzt.

Wie die Menschen heute damit umgehen

Die Stimmung in der Stadt ist ein Jahr später von einer Mischung aus stiller Trauer und dem Wunsch nach Normalität geprägt.

  • Gedenkfeier: Am morgigen Samstag findet um 11:00 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Johanniskirche statt, an dem unter anderem Bischof Gerhard Feige teilnimmt.

  • Lichterkette: Für den Abend (18:30 Uhr) ist eine Menschen-Lichterkette rund um den Alten Markt geplant.

  • Glockengeläut: Exakt um 19:02 Uhr, dem Zeitpunkt des Attentats, werden alle Kirchenglocken der Stadt läuten.

  • Zusammenhalt: Viele Bürger betonen, dass sie sich ihre Traditionen nicht nehmen lassen wollen, auch wenn die Sicherheitsvorkehrungen (wie Poller und verstärkte Polizeipräsenz) nun zum Stadtbild gehören.


Der Prozess: Hungerstreik und Verhandlung in Abwesenheit

Seit November 2024 steht Taleb A., ein früherer Psychiater aus Saudi-Arabien, vor dem Landgericht Magdeburg. Die Anklage lautet auf sechsfachen Mord und versuchten Mord in über 300 Fällen.

Warum ist der Angeklagte im Hungerstreik?

Taleb A. trat bereits kurz nach Prozessbeginn in den Hungerstreik. Seine Motive sind laut Prozessbeobachtern vielschichtig:

  1. Aufmerksamkeit: In seinen teils wirren Aussagen inszenierte er sich als Opfer politischer Verfolgung durch das saudi-arabische Regime und äußerte massiven Frust über deutsche Behörden, die seine Anzeigen in der Vergangenheit ignoriert hätten. Er wolle „gehört werden“.

  2. Prozessverzögerung: Die Staatsanwaltschaft und Nebenkläger werfen ihm vor, das Verfahren gezielt manipulieren und in die Länge ziehen zu wollen. Er selbst gab an, den Streik für drei Wochen geplant zu haben und keine bleibenden Schäden zu erwarten.

Warum wird ohne ihn weiterverhandelt?

Inzwischen ist Taleb A. aufgrund der Nahrungsverweigerung körperlich so geschwächt (Verdacht auf Nierenversagen), dass er als verhandlungsunfähig eingestuft wurde. Dennoch entschied das Gericht am 18. Dezember 2025, den Prozess in seiner Abwesenheit fortzuführen.

  • Rechtliche Grundlage: Nach der Strafprozessordnung (§ 231a StPO) kann ohne einen Angeklagten verhandelt werden, wenn dieser seine Verhandlungsunfähigkeit vorsätzlich und schuldhaft herbeigeführt hat, um das Verfahren zu behindern. Das Gericht sieht dies durch den Hungerstreik als gegeben an.


Aktuelle Festnahme: Ein 21-Jähriger unter Terrorverdacht

Nur wenige Tage vor dem Jahrestag wurde die Stadt durch eine erneute Festnahme aufgeschreckt.

Die Hintergründe der Verhaftung

Am Freitag, dem 12. Dezember 2025, nahm ein Spezialeinsatzkommando (SEK) einen 21-jährigen Mann aus Zentralasien in Magdeburg fest.

  • Der Verdacht: Der junge Mann, der 2024 legal als Au-pair eingereist war und zuletzt eine Ausbildung zum Pfleger machte, soll einen Anschlag auf eine große Menschenmenge geplant haben.

  • Radikalisierung: Er stand seit Wochen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Er soll sich im Internet radikalisiert, Anschläge glorifiziert und sich konkret nach Schusswaffen und Schießtraining erkundigt haben.

  • Prävention: Um eine Gefahr für die Besucher der diesjährigen Gedenkveranstaltungen und Weihnachtsmärkte auszuschließen, ordnete das Innenministerium die Vorbeugungshaft an. Er befindet sich derzeit in Abschiebehaft.


Quellen:

  • MDR Sachsen-Anhalt: Berichterstattung zum Jahrestag und Gedenkplan.

  • Landgericht Magdeburg: Pressemitteilungen zum Prozessverlauf gegen Taleb A.

  • DIE ZEIT / dpa: Berichte zur Festnahme des 21-jährigen Verdächtigen (Dezember 2025).

  • Offizielles Portal der Landeshauptstadt Magdeburg (magdeburg.de).