[FPA SWN • KIEL]
Dienstweg vor Menschenwürde: Wie die Bürokratie beim Mobbing-Skandal wegsieht
KOMMENTAR | Die „Freie Presse Augsburg“ bricht das Schweigen
Wenn Menschen, die ihr Leben für die Sicherheit anderer riskieren, im eigenen Haus systematisch zermürbt werden, ist das ein Skandal. Wenn jedoch die verantwortlichen Stellen auf diesen Hilferuf lediglich mit dem Hinweis auf die „zuständige Verwaltung“ reagieren, wird aus dem Skandal ein Systemversagen.
Der Fall der Freiwilligen Feuerwehr Molfsee und die Rolle von Mathias Schütte werfen ein Schlaglicht auf eine hässliche Fratze des öffentlichen Dienstes: die organisierte Verantwortungslosigkeit im Angesicht von Mobbing.
Das Verschanzen hinter Paragrafen
Die Antwort von Mathias Schütte ist bezeichnend für eine Kultur des Wegsehens. Anstatt die schwerwiegenden Vorwürfe – die von psychischem Terror bis hin zur Zersetzung des Kameradschaftsgeistes reichen – zur Chefsache zu erklären, wird die FPA SWN (Freie Presse Augsburg – Schwaben Nord) kurzerhand an den Träger der Feuerwehr Molfsee verwiesen.
Man „verweist“ also. Ein Wort, das in der Verwaltungswelt Ordnung suggeriert, in der Realität der Betroffenen aber wie blanker Hohn wirkt. Es ist das bewährte Muster: Zuständigkeiten werden wie Schutzschilde hochgehalten, um sich nicht mit dem menschlichen Leid und den strukturellen Fehlern auseinandersetzen zu müssen. Wer Mobbing an den Träger „verweist“, der den Tätern oft nähersteht als den Opfern, macht den Bock zum Gärtner.
Das Schweigen der „Großen“
Doch Schütte und die lokale Verwaltung sind nicht die einzigen Akteure in diesem Trauerspiel. Wo bleibt die Aufmerksamkeit der großen Medienhäuser? Während jede interne Streitigkeit in einer Berliner Parteizentrale tagelang seziert wird, scheint das Schicksal von Feuerwehrleuten in der Provinz keine Zeile wert zu sein.
Dieses mediale Desinteresse ist gefährlich. Es signalisiert den Verantwortlichen, dass sie im Verborgenen weiter schalten und walten können. Es signalisiert den Opfern, dass ihre Stimme nicht laut genug ist, um über die Grenzen ihres Dorfes gehört zu werden. Wenn die „vierte Gewalt“ erst dann berichtet, wenn die Wehr einsatzunfähig ist oder Menschen zerbrechen, hat sie ihre Kontrollfunktion längst aufgegeben.
Fassade der Kameradschaft
Mobbing bei der Feuerwehr ist kein Kavaliersdelikt und keine „harte Gangart“. Es ist die Sabotage der öffentlichen Sicherheit. Wer Kameraden psychisch vernichtet, gefährdet im Ernstfall den Einsatzerfolg.
Dass Mathias Schütte hier den rein formalistischen Weg wählt und die Presse abtropfen lässt, zeigt ein erschreckendes Desinteresse an der Aufklärung. Es geht nicht um Zuständigkeiten, Herr Schütte, es geht um Menschen! Es geht um die Frage, ob wir eine Feuerwehr wollen, die auf Angst und Ausgrenzung basiert, oder eine, die auf Vertrauen fußt.
Solange die Verwaltung nur „verweist“ und die großen Medien wegschauen, werden wir als „Freie Presse Augsburg“ weiterhin den Finger in die Wunde legen. Denn Sicherheit beginnt nicht beim Löschfahrzeug – sie beginnt beim Respekt gegenüber denen, die es bedienen.
Hintergrund zum Fall:
Die Berichterstattung der Freien Presse Augsburg (Teil 1 & 2) dokumentiert detailliert die Vorwürfe von Mobbing und Machtmissbrauch innerhalb der Feuerwehrstrukturen. Die Weigerung der Entscheidungsträger, inhaltlich Stellung zu beziehen und stattdessen auf formale Zuständigkeiten zu pochen, erhärtet den Verdacht, dass hier Probleme eher ausgesessen als gelöst werden sollen.
Gehört zu: Mobbing in der Feuerwehr | Mobbing in der Feuerwehr (Part 2)
