Mordfall: Haunstetten

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Pressebericht: Mordfall Nina H. – Prozess um tödliche Schüsse in Haunstetten

AUGSBURG / HAUNSTETTEN. Seit Anfang Februar 2026 steht ein 29-jähriger Mann vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Augsburg. Ihm wird vorgeworfen, im Mai 2025 die 30-jährige dreifache Mutter Nina H. in ihrem Wohnhaus in der Martinistraße mit vier Kopfschüssen heimtückisch ermordet zu haben.

Der Tatvorwurf und das Motiv

Die Staatsanwaltschaft geht von einem grausamen Szenario aus: Der Angeklagte soll am späten Abend des 19. Mai 2025 unbemerkt in das Haus des Opfers eingedrungen sein. Als die Frau ihn zur Rede stellte, fielen die tödlichen Schüsse. Besonders tragisch: Zwei der drei Kinder (damals 1, 4 und 8 Jahre alt) befanden sich zum Tatzeitpunkt im Haus. Eine Tochter entdeckte später die leblose Mutter und alarmierte die Verwandtschaft.

Das Motiv wird im persönlichen Umfeld vermutet. Der Angeklagte gilt als „Ziehsohn“ des Ex-Partners der Getöteten. Die Ermittler prüfen die Theorie eines Auftragsmordes oder einer Rachetat im Namen des Ex-Freundes, von dem sich Nina H. zuvor getrennt hatte.


Bisheriger Prozessverlauf (Februar – März 2026)

  • Prozessauftakt (02. Februar): Der Angeklagte schwieg zu Beginn der Verhandlung. Sein Verteidiger kündigte an, dass man sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern wolle. Die Anklage verlas die Details zur Tatwaffe – eine Pistole, die später von Tauchern der Polizei in einem nahegelegenen Bach gefunden worden war.

  • Prozesstag 02. März: Der vierte Prozesstag war von vier Zeugenaussagen (Polizeibeamte) geprägt und hatte lediglich Täterwohnung, Wohnanschrift des Täters, Täterbekleidung, Beschuldigtenvernehmungen, Beschlagnahme von Bekleidung und Gegenständen etc. zum Gegenstand. Zu Beginn des Verhandlungstags legte die Staatsanwaltschaft weitere Dokumente und CD/DVDs vor und erklärte, man habe die „Wegstrecke“ dokumentiert, die der mutmaßliche Täter zurückgelegt haben soll. Am dritten Verhandlungstag wurde eine Frau des Saales verwiesen, da sie im Zuschauerbereich saß. Ein anderer Zuschauer, der hineinrief, wurde, unter Androhung eines Ordnungsgeldes, zur Ordnung ermahnt.
  • Die Rolle des Ex-Partners: An den ersten Prozesstagen rückte die toxische Beziehung zwischen dem Opfer und ihrem Ex-Partner in den Fokus. Zeugen berichteten von Stalking, Demütigungen und massiver Überwachung nach der Trennung. Die Tür des Hauses sei zudem beschädigt gewesen, was dem Täter den Zutritt ohne Schlüssel ermöglicht haben könnte.

  • Wende durch Einlassung (Mitte Februar): Entgegen der ursprünglichen Strategie brach der Angeklagte sein Schweigen. Er bestreitet die Tat jedoch vehement.

  • Das Rätsel um die Mütze: Ein zentrales Beweismittel ist eine am Tatort gefundene Mütze mit DNA-Spuren des Angeklagten. Dieser erklärte vor Gericht, die Mütze müsse bei früheren handwerklichen Arbeiten im Haus liegen geblieben sein. Für die darauf gefundenen Blutspuren des Opfers konnte er jedoch keine plausible Erklärung liefern.


Ausblick und nächste Schritte

Das Landgericht hat insgesamt über 20 Verhandlungstage angesetzt. In den kommenden Wochen werden weitere forensische Gutachten sowie Sachverständige zur Ballistik gehört.

  • Beweisaufnahme: Der Fokus liegt nun auf der Auswertung von Funkzellendaten und der Glaubwürdigkeit der handwerklichen Tätigkeiten des Angeklagten.

  • Urteilsverkündung: Nach aktuellem Zeitplan wird ein Urteil für Mitte Juni 2026 erwartet.

Hintergrund: Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus, da er als Paradebeispiel für einen sogenannten „indirekten Femizid“ diskutiert wird, bei dem das soziale Umfeld eines Ex-Partners instrumentalisiert wird, um Gewalt auszuüben.