Theo Müller und die AfD

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Milch-Milliardär Theo Müller fordert Koalition mit der AfD – Heftige Kritik an „Brandmauer-Bruch“

DÜSSELDORF/STUTTGART – Inmitten der schwierigen Regierungsbildung nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg sorgt der Molkereiunternehmer Theo Müller erneut für einen politischen Eklat. Der 86-jährige Gründer der Müller-Gruppe (Müllermilch, Weihenstephan) forderte die CDU offen dazu auf, ihre „Brandmauer“ zur AfD einzureißen. Während Müller die AfD als legitimen Partner sieht, wächst der zivilgesellschaftliche Protest gegen das Unternehmen.

Forderung nach CDU-AfD-Bündnis in Baden-Württemberg

Nach dem knappen Wahlausgang in Baden-Württemberg am 8. März 2026, bei dem die Grünen mit 30,2 % knapp vor der CDU (29,7 %) landeten, warnte Theo Müller die Union davor, sich erneut als „Juniorpartner“ unter einem grünen Ministerpräsidenten unterzuordnen. Gegenüber der Tageszeitung „Welt“ erklärte Müller: „Die CDU muss sich nicht kleinmachen. Sie könnte stattdessen auch mit der AfD regieren oder sich von ihr dulden lassen.“

Besonderes Augenmerk legte Müller dabei auf den baden-württembergischen AfD-Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier. Dessen Aussagen hätten laut Müller „Hand und Fuß“. Er sehe keinen Grund, der gegen eine CDU-geführte Landesregierung unter Einbindung der AfD spräche.

Hintergrund: Chronologie einer Annäherung

Es ist nicht das erste Mal, dass der in der Schweiz lebende Milliardär durch seine Nähe zur AfD auffällt:

  • Treffen mit Alice Weidel: Bereits Ende 2023 bestätigte Müller private Treffen mit der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel, die er später in einem Interview als „Freundin“ bezeichnete.

  • Unterstützer-Urteil: Erst im Februar 2026 scheiterte Müller vor dem Landgericht Hamburg mit einem Eilantrag gegen die Kampagnenorganisation Campact. Das Gericht entschied, dass Müller aufgrund seiner öffentlichen Äußerungen und Kontakte legal als „AfD-Unterstützer“ bezeichnet werden darf.

  • Strategische Ratschläge: Schon im Vorfeld der Landtagswahlen im Osten Deutschlands (2024) hatte Müller der CDU ähnliche Koalitionstipps gegeben, was bundesweit für Empörung sorgte.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

Die Reaktionen auf Müllers jüngsten Vorstoß fielen am heutigen 17. März 2026 scharf aus:

  • Union: Offizielle Vertreter der baden-württembergischen CDU wiesen den Vorschlag umgehend zurück. Generalsekretär Manuel Hagel betonte erneut, dass die „Brandmauer“ stehe und eine Zusammenarbeit mit einer vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuften Partei ausgeschlossen sei.

  • Proteste und Boykottaufrufe: Die Organisation Campact weitete ihre Plakataktion („Jetzt mit AfD-Geschmack“) aus. In zahlreichen Städten informieren Aktivisten vor Supermärkten über die Verbindungen des Konzerngründers zur AfD.

  • Wirtschaft: Branchenexperten warnen vor einem massiven Imageschaden für die Marken der Müller-Gruppe. Bereits im Januar 2025 hatte Alice Weidel Müller öffentlich gedankt und erklärt, sie könne sich „jemanden wie Theo Müller“ gut in einer künftigen Regierung vorstellen.

Analyse: Die „Normalisierung“ des Rechtsaußen-Diskurses

Beobachter sehen in Müllers Aussagen einen gezielten Versuch, rechtsextreme Positionen in der bürgerlichen Mitte salonfähig zu machen. Da die CDU im neuen Landtag von Stuttgart ebenso wie die Grünen über 56 Mandate verfügt, ist die mathematische Verlockung für alternative Mehrheiten groß – doch politisch gilt ein solcher Schritt weiterhin als Tabubruch, der die Bundes-CDU unter Bundeskanzler Friedrich Merz in eine existenzielle Krise stürzen könnte.

Theo Müller selbst betont unterdessen weiterhin, er sei lediglich ein „interessierter Beobachter“ und kein Mitglied der AfD, sondern der CSU. Finanzielle Spenden an die Partei bestreitet er nach wie vor.


Quellen: Euronews, Die Welt, Manager Magazin, Campact Presseportal, Archivmaterial (März 2026).